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Mauerfall in Grün - die Wende an der blauen Grenze

  • Die Prignitz ist nicht der Checkpoint Charlie, nicht die Nikolaikirche in Leipzig und doch finden sich hier auch 25 Jahre nach der Wende noch Zeugnisse des Alltags der DDR, der politischen Wende und der Grenze, die Deutschland in der Mitte zerrisen hat. Eine Reise in die Prignitz -€œ das kann auch eine Zeitreise sein. Wer in Wittenberge aus dem Zug steigt und auf dem Deich bis Lenzen radelt, überwindet dabei unbemerkt eine einst unüberwindliche Barriere. In der Elbtalaue verlief von Stromkilometer 472,6 bis 566,3 die innerdeutsche Grenze. Heute bietet hier das UNESO-Biosphärenreservat

  • Flusslandschaft Elbe-Brandenburg eine einmalige Tier- und Pflanzenwelt am naturbelassenen, unbegradigten Strom. Größer kann der Kontrast nicht sein zwischen dem Gedanken an patrouillierende Grenzboote und dem jetzt freien Blick auf die friedlich in der Sonne glitzernde Elbe mit der Fähre darauf. Auf dem Deich herrscht reger Betrieb von Radfahrern und hier und da stolziert ein Storch auf Futtersuche über die Wiesen. Am Fähranleger Lenzen steht einer der wenigen erhaltenen Grenztürme, von denen früher Grenzer die Umgebung kontrollierten. Heute dient er als Aussichtsturm.

Vom Todesstreifen zum Lebensader - Grünes Band

Wachtürme, Grenzzaun, Minenanlagen, freies Sicht- und Schießfeld, Hundepatrouillen - die Staatsgrenze-West der DDR war so gut gesichert wie kaum eine Grenze der Welt. Dabei galt es weniger, dem Klassenfeind auf der anderen Seite zu trotzen, als den eigenen Bürgern den Weg dahin zu versperren. 14 Menschen verloren allein im Prignitzer Grenzabschnitt ihr Leben bei dem Versuch, die DDR zu verlassen. Überlebt hat glücklicherweise die Natur.

Als Teil des "Grünen Bandes" entlang der ehemaligen Zonengrenze bietet die Elbe seltenen Tier- und Pflanzenarten einen geschützten Lebensraum im Biosphärenresrevat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg. Durch Rückverlegung des Deiches am sogenannten "Bösen Ort" ist auf über 400 Hektar eine regelmäßige büerflutete Auenwildnis entstanden. Das Vierländereck Elbe-Altmark-Wendland ist eine der 3 Modellregionen des vom Bundesamt für Naturschutz und aus Mitteln des Bundesumweltministeriums geförderten Projektes "Erlebnis Grünes Band", das die faszinierenden Naturschätze, die sich entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze entwickeln konnten, erlebbar macht.
www.erlebnisgruenesband.de

Drei Wachtürme aus Betonfertigteilen, die den DDR-Grenztruppen als Beobachtungspunkte dienten, haben die Zeit überdauert. Zwei davon stehen unter Denkmalschutz und sind touristisch erschlossen. Einer der Türme befindet sich an der Fähre zwischen Lenzen und Pevestorf direkt an der Elbe mit einmaligem Blick über die Elbtalaue. Fantastische Ausblicke gibt es auch auf dem 24 m hohen Burgturm der Burg Lenzen, von dem aus das Vier-Länder-Eck Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern im Blick ist.
www.burg-lenzen.de

Wer die "Grenze" überschreiten will, macht das am besten mit der Fähre, die zwischen Lütkenwisch und Schnackenburg verkehrt. In Lütkenwisch erinnert ein Gedenkstein an die Lage im Sperrgebiet. In Schnackenburg ist ein Blick "von der anderen Seite" möglich. Ein Besuch im Grenzlandmuseum rundet die Grenzerfahrung ab.
www.aulosen.de/grenzlandmuseum

DDR-Geschichtsmuseum im Dokumentationszentrum Perleberg

Gegen das Vergessen kämpft Hans-Peter Freimark in Perleberg. Der frühere Pfarrer hat sich zum Ziel gesetzt, die Lebenswirklichkeit der DDR zu dokumentieren, um im Rückblick eine Verzerrung oder Verschönerung zu verhindern. Auf rund 1000 m² Ausstellungsfläche zeigt sich Liebenswertes aus dem Alltag zwischen Elbe und Oder genauso wie Zeugnisse eines Systems, das jede selbstbestimmte Abweichung von diesem Alltag gnadenlos verfolgte. Eine Unzahl von Original-Exponaten aus 40 Jahren DDR ist zu sehen - thematisch zusammengestellt ergibt sich ein vielschichtiges Bild des DDR-Alltags. Das Anfassen vieler Objekte ist ausdrücklich erlaubt. Eine umfangreiche Bibliothek ergänzt das Angebot, regelmäßig finden Veranstaltungen und Vortragsabende statt. Am 7. Oktober und, dem Staatsfeiertag der DDR, und am 1. Mai wird geflaggt und im Museumscafé gibt es die optimale Kombination aus Ostkuchen und Westkaffee.

www.ddr-museum-perleberg.de

Fluchtzeug im Oldtimer- und Technikmuseum Perleberg

Die DDR war das Reich der Schrauber und Bastler. Da Seriengefertigtes nicht einfach zu bekommen war, griffen viele zur Selbsthilfe und improvisierten. Und so zeigt das Oltimer-Museum in Perleberg nicht nur Ladas, Wartburgs und Trabants, MZs und Simsons, sondern auch das, was die Menschen aus dem gemacht haben, was gerade zur Verfügung stand. Zum Beispiel ein Fluchtzeug mit Trabant Motor. Mit dieser kurz vor der Wende in einem privaten Hinterhof zusammengebauten Mischung aus Segelflugzeug und Drachenflieger wollte einst der Perleberger Siegfried Ryll die DDR verlassen. Die Perleberger Oldtimer-Freunde schrauben weiter. Im Museum zeigt der Verein etwa ein Zehntel seines stark durch Osttechnik geprägten Bestandes: von der Tatra-Limousine bis zur Brockenhexe, vom Fahrradhilfsmotor bis zum Panzer.

www.oldtimerfreunde-perleberg.de




Museum im Museum

"Im Kampf um die Erfüllung der Jahrespläne wurde die Aktivisten- und Wettbewerbsbewegung immer mehr zu sozialistischen Massenbewegungen" - so spannende Nachrichten kann man in den Wittstocker Museen "Alte Bischofsburg" lesen. Denn die Ausstellung, die der Rat des Kreises 1984 in Auftrag gegeben hatte, um im damaligen Wittstocker Heimatmuseum das jüngste Kapitel der Geschichte darzustellen, blieb 1990 bewusst hängen. Als "Museum im Musem" zeigt sie heute am Beispiel des Kreises Wittstock, wie die DDR sich selbst sah. Dabei bietet sie durchaus interessante Einblicke in die wirtschaftliche Entwicklung der Region, in Wohnungsbau, Sport und Kultur. Besonderen Stellenwert nehmen auch die Bodenreform und die Kollektivierung der Landwirtschaft ein.

www.mdk-wittstock.de




Wende.Punkte

Der am 9.11.2009 erschienene Reiseführer "Wende.Punkte" führt an jene besonderen Orte der Prignitz, an denen noch ein Hauch "Wende" erlebbar ist. Viel ist vom ehemaligen DDR-Alltag und den Wendeereignissen heute nicht mehr zu sehen. Umso interessanter sind die Orte, an denen die DDR- und Wende-Geschichte noch nachgespürt werden kann - und dorthin (ver)führt die Broschüre den Leser. Auf der Broschüre steht ein Stempelfeld für jede der 14 Stationen zur Verfügung, auf der die "Wiedereinreise" dokumentiert werden kann.
Erhältlich ist die Broschüre in den Touristinformationen, im DDR-Geschichtsmuseum in Perleberg und beim Tourismusverband Prignitz e.V.

 

Allgemeine Informationen

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